Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Suizidalität und Suizidprävention

Weil über Suizidalität gesprochen werden sollte
Das Thema Suizidalität wirft viele Fragen auf – für Betroffene, Angehörige, Hinterbliebene, Fachkräfte und alle, die sich damit beschäftigen. Gleichzeitig ist das Thema oft mit Unsicherheit, Vorurteilen und Sprachlosigkeit verbunden. Umso wichtiger ist es, verständliche, verlässliche und sensible Informationen bereitzustellen.
In diesem FAQ-Bereich finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um Suizidalität, Suizidprävention und mentale Gesundheit. Ziel ist es, Orientierung zu geben, aufzuklären und Wege zu Unterstützung aufzuzeigen, ob nun für sich selbst oder für andere.
Schnelle Hilfe in Krisensituationen
Wenn Sie selbst von Suizidgedanken betroffen sind oder sich Sorgen um einen anderen Menschen machen, finden Sie hier erste Orientierung für schwierige Situationen. Die Antworten zeigen auf, welche nächsten Schritte hilfreich sein können und wo Sie Unterstützung erhalten.
Was tun im Notfall?
Wenn akute Gefahr besteht, ist schnelles Handeln entscheidend.
- Akute suizidale Krise als psychische Notfallsituation
- Eine akute suizidale Notfallsituation liegt vor, wenn eine Person:
- konkrete Suizidgedanken oder -pläne äußert
- sich nicht mehr von Suizidgedanken distanzieren kann
- stark verzweifelt wirkt und keinen Ausweg mehr sieht
- sprich: eine Eigen- oder Fremdgefährdung besteht
- Eine akute suizidale Notfallsituation liegt vor, wenn eine Person:
- Schnelles Handeln ist gefragt
- Lassen Sie die betroffene Person nicht allein!
- Rufen Sie den Notruf 112
- Oder kontaktieren Sie folgende Krisenhilfen:
Medizinischer Bereitschaftsdienst 116 117,
Psychiatrische Notaufnahme oder
sozialpsychiatrischer Dienst Ihrer Region
- Im Zweifel gilt: Lieber zu früh als zu spät handeln.
- Suizidalität vs. Schweigepflicht – Schutz von Leben hat Vorrang
- Wenn akute Gefahr besteht, steht der Schutz des Lebens an erster Stelle. In solchen Situationen dürfen und sollen Sie Hilfe holen, auch dann, wenn eigentlich Schweigepflicht gilt. Entscheidend ist: Das Leben der betroffenen Person zu schützen hat Vorrang.
Was kann ich tun, wenn ich selbst Suizidgedanken habe?
Im Laufe des Lebens erleben viele Menschen belastende Situationen und seelische Krisen. Schätzungen zufolge hat etwa jeder zehnte Mensch über die Lebensspanne zumindest einmal Suizidgedanken. Entsprechend kommen viele Menschen mit dem Thema Suizidalität in Berührung, ob nun als Betroffener oder Angehöriger.
Suizidgedanken können sehr belastend sein und sind häufig ein Zeichen dafür, dass sich etwas im Leben kaum noch aushalten lässt. Wichtig ist: Sie müssen damit nicht allein sein. Unterstützung kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen.
- Sprechen Sie mit jemandem darüber
- Ein erster Schritt kann sein, sich einer vertrauten Person zu öffnen. Auch wenn es schwerfällt: Darüber zu sprechen hilft vielen Betroffenen, sich weniger allein zu fühlen und die eigene Situation besser zu ordnen.
- Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch
- Neben dem persönlichen Umfeld gibt es viele professionelle Hilfsangebote. Gerade in belastenden oder akuten Situationen ist es wichtig, Unterstützung zu suchen.
- Im Hilfefinder der DGS finden Sie passende Angebote – für sich selbst sowie für Angehörige und Hinterbliebene. Bitte beachten Sie: Die DGS bietet selbst keine Krisenberatung an, informiert jedoch darüber, wo Sie geeignete Hilfe finden können.
- Bei akuter Suizidgefahr unverzüglich Hilfe suchen
- Eine entscheidende Frage ist, wie krisenhaft die suizidale Entwicklung ist. Suizidgedanken sollten grundsätzlich ernst genommen werden und können Ausdruck einer erheblichen psychischen Belastung sein.
- Wenn sich die Gedanken jedoch stark aufdrängen, kaum Abstand zu ihnen gewonnen werden kann oder bereits konkrete Suizidpläne bestehen, weist dies auf eine besonders akute Gefährdungslage hin. In diesem Fall ist es wichtig, sofort Hilfe zu suchen, etwa über den Notruf (112), den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den sozialpsychiatrischen Dienst Ihrer Region.
- Hilfe kann entlasten und neue Perspektiven eröffnen
- Suizidgedanken entstehen häufig in Phasen großer seelischer Belastung, etwa im Zusammenhang mit seelischen Krisen, Erkrankungen oder einschneidenden Lebensereignissen. Viele Menschen erleben, dass diese Gedanken nachlassen, wenn sie Unterstützung erhalten und sich ihre Situation verändert. Zwischenmenschliche Beziehungen und ein unterstützendes Umfeld können dabei eine wichtige Rolle spielen.
An wen kann ich mich in einer akuten Krise wenden?
Eine akute suizidale Krise liegt vor, wenn die seelische Belastung so stark ist, dass sie kaum noch auszuhalten scheint und kaum innere Distanz zu suizidalen Gedanken bewahrt werden kann. Das kann sich zum Beispiel durch starke Verzweiflung, dem Gefühl von Ausweglosigkeit oder durch aufdrängende Suizidgedanken mit hohem Handlungsdruck zeigen. In solchen Situationen ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren und schnell Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Soforthilfe in akuten Krisen
- Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer akuten Krise befinden, zögern Sie bitte nicht, sofort Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können sich jederzeit wenden an:
- den Notruf (Telefon: 112)
- den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon: 116 117)
- Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt
- die psychiatrische Notaufnahme in Ihrer Region
- Krisendienste vor Ort (z. B. den sozialpsychiatrischen Dienst)
- Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer akuten Krise befinden, zögern Sie bitte nicht, sofort Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie können sich jederzeit wenden an:
- Krisenintervention bietet Stabilisierung und erste Entlastung
- Akute Krisen sind oft vorübergehend, auch wenn sie sich in diesem Moment überwältigend anfühlen. Ziel einer Krisenintervention ist es, Sie zu stabilisieren, den emotionalen Druck zu verringern und gemeinsam nächste Schritte zu ermöglichen.
- Auch wenn es schwerfällt: Nehmen Sie Kontakt auf. Sie müssen diese Situation nicht allein bewältigen.
Andere unterstützen – und gut für sich selbst sorgen
Zu erleben, dass ein nahestehender Mensch suizidale Gedanken hat oder sich in einer schweren Krise befindet, kann verunsichern und belasten. Hier erfahren Sie, wie Sie unterstützen können und wo Betroffene und Angehörige Unterstützung finden.
Was kann ich tun, wenn ich mir Sorgen um eine nahestehende Person mache?
Wenn Sie sich Sorgen um einen Menschen machen, nehmen Sie dieses Gefühl ernst. Oft zeigen Betroffene ihre Not – manchmal ganz direkt und offen, manchmal indirekt durch Aussagen wie „Es macht keinen Sinn mehr“. Solche Signale sind wichtig und sollten aufmerksam wahrgenommen werden. Vielen Betroffenen fällt es schwer, ihre Not in Worte zu fassen und aktiv nach Hilfe zu fragen.
- Sprechen Sie die Person offen an
- Trauen Sie sich, das Thema anzusprechen – auch Suizidgedanken. Entgegen verbreiteter Annahmen bringt ein offenes Gespräch niemanden erst „auf Ideen“. Im Gegenteil: Viele Betroffene empfinden es als entlastend, wenn jemand nachfragt und ehrlich zuhört. Es geht nicht darum, die perfekten Worte zu finden, sondern darum zu zeigen: Ich bin für dich da.
- Hören Sie zu und bleiben Sie zugewandt
- Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und der betroffenen Person Raum zu geben. Hören Sie zu, ohne zu bewerten oder vorschnell Lösungen anzubieten. Auch wenn die Gedanken für Sie schwer nachvollziehbar sind, für die betroffene Person sind sie sehr real und belastend.
- Bieten Sie konkrete Unterstützung an
- Sie können helfen, indem Sie gemeinsam nächste Schritte planen, zum Beispiel:
- Unterstützung bei der Suche nach passenden Hilfsangeboten
- Begleitung zu einem Arzttermin oder einer Beratungsstelle
- Einbeziehen weiterer Vertrauenspersonen
- Gerade in akuten Situationen kann es wichtig sein, dass die betroffene Person nicht allein bleibt.
- Sie können helfen, indem Sie gemeinsam nächste Schritte planen, zum Beispiel:
- Holen Sie sich bei Bedarf selbst Unterstützung
- Die Begleitung eines suizidgefährdeten Menschen kann belastend sein. Es ist in Ordnung, sich selbst Hilfe zu suchen – etwa durch professionelle Beratung oder den Austausch mit anderen. Sie müssen diese Situation nicht allein bewältigen.
- Achten Sie auf Transparenz und Ihre eigenen Grenzen
- Sprechen Sie offen darüber, wenn Sie weitere Hilfe hinzuziehen möchten, und vermeiden Sie es, Entscheidungen hinter dem Rücken der betroffenen Person zu treffen. Gleichzeitig gilt: Sie müssen Ihre eigenen Grenzen ernst nehmen. Nur wenn Sie gut für sich sorgen, können Sie für andere Personen da sein.
Im Hilfefinder der DGS finden Sie passende Unterstützungsangebote – für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene.
Wie spreche ich jemanden auf Suizidgedanken an?
Viele Menschen haben Sorge, „etwas falsch zu machen“, wenn sie Suizidgedanken ansprechen. Tatsächlich gilt: Ein offenes und einfühlsames Gespräch kann entlasten und im besten Fall Leben retten. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass das direkte Ansprechen Betroffene nicht „auf Ideen bringt“, sondern im Gegenteil ihnen häufig hilft, sich verstanden und weniger allein zu fühlen.
- Sprechen Sie offen und direkt
- Trauen Sie sich, Suizidgedanken behutsam, aber offen und direkt anzusprechen. Klare Fragen wie „Denkst du manchmal daran, nicht mehr leben zu wollen?“ können helfen, das Thema zu öffnen. Es geht nicht um die perfekte Wortwahl, sondern darum, Interesse und Sorge zu zeigen.
- Hören Sie zu – ohne zu bewerten
- Geben Sie der Person Raum, ihre Gedanken in ihrem eigenen Tempo zu äußern. Hören Sie aufmerksam zu, möglichst ohne zu unterbrechen, zu relativieren oder vorschnell Lösungen anzubieten. Nehmen Sie das Erlebte ernst, auch wenn es für Sie schwer nachvollziehbar ist.
- Seien Sie präsent und verlässlich
- Eine ruhige, zugewandte Haltung und ausreichend Zeit können es erleichtern, dass sich die betroffene Person öffnet. Signalisieren Sie, dass Sie da sind und unterstützen möchten. Verbindliche Angebote, wie gemeinsame nächste Schritte oder ein weiteres Gespräch, können Sicherheit geben und neue Perspektiven eröffnen.
- Unterstützen Sie bei weiteren Schritten
- Ermutigen Sie die Person, zusätzliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, und bieten Sie konkrete Unterstützung an. Zum Beispiel bei der Suche nach Hilfsangeboten oder bei der Vereinbarung von Terminen.
- Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen
- Gespräche über Suizidgedanken können belastend sein. Es ist in Ordnung, sich selbst Unterstützung zu holen oder weitere Personen einzubeziehen. Sie müssen die Situation nicht allein tragen.
- Ungünstige Reaktionen im Gespräch
- Vorwürfe oder Bewertungen („Das darf man nicht denken.“)
- Verharmlosungen oder Relativierungen („So schlimm ist es doch nicht.“, „Andere haben es viel schwerer.“)
- Vorschnelle Ratschläge, ausweichende Formulierungen oder einfache Lösungen
- Versprechen, alles für sich zu behalten, obwohl akute Gefahr besteht. Machen Sie deutlich, dass Sie Verantwortung tragen und handeln Sie im Zweifel für den Schutz der Person.
Ein respektvoller, offener und klarer Umgang schafft Vertrauen und kann ein wichtiger erster Schritt aus der Krise sein.
Wo finde ich Hilfe als Angehöriger oder Hinterbliebener?
Wenn ein Mensch durch Suizid stirbt, sind Schätzungen zufolge bis zu 135 weitere Menschen davon betroffen. Angehörige und Hinterbliebene erleben häufig intensive und teilweise überfordernde Gefühle von Trauer, Schuld, Scham oder Ohnmacht. Wichtig ist: Sie müssen damit nicht allein bleiben. Auch für Angehörige und Betroffene gibt es Hilfe und Unterstützung.
- Unterstützungsmöglichkeiten
- Als angehörige oder hinterbliebene Person können Sie verschiedene Hilfsangebote nutzen:
- Beratungsstellen und Krisendienste
- Selbsthilfegruppen zum Austausch mit anderen Betroffenen
- Psychotherapeutische Unterstützung
- Der Austausch mit anderen Betroffenen oder professionellen Ansprechpersonen kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten und neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden.
- Als angehörige oder hinterbliebene Person können Sie verschiedene Hilfsangebote nutzen:
- Spezielle Angebote für Hinterbliebene
- Die Organisation AGUS e.V. unterstützt Menschen, die einen Angehörigen oder nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben. Bundesweit gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen sowie Möglichkeiten zur persönlichen Beratung.
- Hilfsangebote gezielt finden
- Mit dem Hilfefinder der DGS können Sie passende Unterstützungsangebote in Ihrer Region suchen. Die Ergebnisse lassen sich nach Ort, Zielgruppe und Bedarf filtern, sodass Sie schnell geeignete Hilfe finden.
Suizidalität und Suizidprävention besser verstehen
Suizidalität und deren Prävention ist ein vielschichtiges und komplexes Thema, das häufig mit Unsicherheit und Missverständnissen verbunden ist. Hier finden Sie verständliche Informationen zu Hintergründen, Warnsignalen und einer sensiblen Sprache.
Woran erkenne ich, ob jemand suizidgefährdet ist?
Es gibt kein einzelnes, eindeutiges Anzeichen für Suizidgefährdung. Oft sind es Veränderungen im Verhalten, im Erleben oder in den Äußerungen eines Menschen, die aufmerksam machen sollten. Wichtig ist: Nehmen Sie solche Signale ernst und sprechen Sie sie an.
Fakt ist: Viele Menschen äußern suizidales Erleben vor einem Suizidversuch. Manchmal ganz direkt und offen, manchmal indirekt, etwa durch Sätze wie „Ich sehe keinen Ausweg mehr“ oder „Es wäre besser, nicht mehr da zu sein“. Solche Hinweise sollten immer ernst genommen werden.
- Warnzeichen der Suizidalität
- Achten Sie insbesondere auf folgende Veränderungen:
- Gefühle und Gedanken
- Hoffnungslosigkeit, starke Verzweiflung
- Gefühl von Ausweglosigkeit oder Sinnlosigkeit
- direkte oder indirekte Äußerungen von Suizidgedanken
- Gefühle und Gedanken
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- Verhalten
- Rückzug von Familie, Freund*innen oder sozialen Aktivitäten
- plötzliche oder auffällige Verhaltensänderungen
- riskantes oder impulsives Verhalten (z. B. riskanter Konsum von Alkohol oder Drogen)
- Verschenken persönlicher Gegenstände oder Abschiednehmen
- Verhalten
-
- Alltag und Lebensführung
- Vernachlässigung von Körperpflege oder Ernährung
- Veränderungen im Schlaf oder Tagesrhythmus
- Verlust von Interessen oder wichtigen Gewohnheiten
- Alltag und Lebensführung
- Achten Sie insbesondere auf folgende Veränderungen:
- Beobachten, nachfragen, Hilfe vermitteln
- Suizidgedanken entstehen meist im Zusammenhang mit großer seelischer Belastung, etwa durch Lebenskrisen, Erkrankungen oder soziale Isolation. Zwischenmenschliche Beziehungen und ein aufmerksames Umfeld können helfen, solche Veränderungen früh wahrzunehmen und Unterstützung zu ermöglichen.
Wichtig: Diese Anzeichen müssen nicht zwangsläufig auf Suizidalität hinweisen. Wenn Sie sich unsicher sind oder ein ungutes Gefühl haben, sprechen Sie die Person offen an und bieten Sie Unterstützung an. Im Zweifel gilt: Es ist besser, einmal mehr nachzufragen als zu schweigen.
Warum denken Menschen an Suizid?
Suizidgedanken entstehen in der Regel nicht aus einem einzelnen Grund, sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Umstände und Belastungen. Die Hintergründe sind vielfältig und individuell – eine einfache Erklärung gibt es in aller Regel nicht.
Häufig stehen hinter suizidalen Gedanken intensive Gefühle wie Verzweiflung, Ausweglosigkeit, Überforderung oder Einsamkeit. Viele Betroffene erleben ihre Situation als so belastend, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.
- Risikofaktoren von Suizidalität
- Zu den häufigen Faktoren, die suizidale Krisen fördern können, gehören:
- psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen)
- belastende Lebensereignisse oder Krisen (z.B. Verluste, Trennungen)
- soziale Isolation oder fehlende soziale Unterstützung
- körperliche Erkrankungen oder chronische Belastungen
- Suizidversuch(e) in der Vergangenheit
- Familiäre Vorbelastung hinsichtlich Suizidalität
Selbst wenn es in der Familie bereits suizidale Vorfälle gab, bedeutet das nicht automatisch, dass dies zwangsläufig zum eigenen Schicksal werden muss. Eine familiäre Vorbelastung bedeutet keine Vorbestimmung.- Wichtig ist: Diese Faktoren können zwar das Risiko erhöhen, erklären aber nie gänzlich, warum ein Mensch suizidale Gedanken entwickelt. Auch lassen sich daraus keine verlässlichen Vorhersagen über das individuelle Suizidrisiko ableiten.
- Zu den häufigen Faktoren, die suizidale Krisen fördern können, gehören:
- Suizidalität als Ausdruck großer seelischer Not
- Wenn Menschen an Suizid denken oder einen Suizidversuch unternehmen, geschieht dies meist aus einer Situation heraus, die sie als nicht mehr aushaltbar erleben. Oft steht dabei weniger der Wunsch zu sterben im Vordergrund als vielmehr der Wunsch, so nicht mehr weiterleben zu wollen.
- Hoffnung und Hilfe in Zeiten der Krise
- Auch wenn sich eine Krise überwältigend anfühlt: Suizidgedanken können sich verändern und wieder abklingen. Unterstützung, zwischenmenschliche Beziehungen und passende Hilfsangebote können entscheidend dazu beitragen, neue Perspektiven zu entwickeln.
Was bedeutet Suizidprävention?
Suizidprävention umfasst alle Bemühungen und Maßnahmen, die dazu beitragen, Suizide zu
verhindern, Menschen in suizidalen Krisen zu unterstützen und ihnen rechtzeitig Zugang zu Hilfe und Behandlung zu ermöglichen. Da suizidales Erleben und Verhalten komplex und von vielen Faktoren beeinflusst ist, ist auch Prävention eine vielschichtige Aufgabe.
Sie setzt auf unterschiedlichen Ebenen an: vom einzelnen Menschen über das soziale Umfeld bis hin zur Gesellschaft insgesamt. Dabei geht es sowohl darum, Krisen möglichst früh vorzubeugen, Anzeichen von Suizidalität rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, als auch Menschen nach Krisen oder Suizidversuchen langfristig zu unterstützen.
Wirksame Suizidprävention berücksichtigt diese verschiedenen Ansatzpunkte und verbindet sie miteinander, um Menschen in belastenden Lebenssituationen bestmöglich zu erreichen.
- Viele Facetten und Ebenen der Suizidprävention
- Zentrale Ansätze sind:
- Aufklärung über und Entstigmatisierung von Suizidalität
- Frühzeitige Erkennung von Krisen und psychischen Belastungen
- Niedrigschwellige und gut erreichbare Hilfsangebote in Krisen
- Unterstützung von Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen
- Fort- und Weiterbildung von Fachkräften
- Gesellschaftliche und politische Maßnahmen (z.B. Einschränkung von Suizidmitteln)
- Einschränkung des Zugangs zu Suizidmitteln und Suizidrisikoorten (z.B. bauliche Schutzmaßnahmen)
Gemeinsam haben diese Maßnahmen in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, die Suizidrate deutlich zu senken. So haben sich die Suizidzahlen in Deutschland über die letzten 40 Jahren etwa halbiert.
- Zentrale Ansätze sind:
- Warum Suizidprävention in akuten Krisen wirkt
- Viele suizidale Krisen sind zeitlich begrenzt und entstehen aus einer akuten Not heraus. Studien und Erfahrungsberichte zeigen: Wenn Menschen in solchen Momenten Unterstützung erhalten oder am Umsetzen eines Suizidversuchs gehindert werden, verändert sich ihre Perspektive häufig wieder. Viele berichten im Nachhinein, dass sie froh sind, weiterzuleben und Hilfe erhalten zu haben.
- Suizidprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
- Suizidprävention braucht Engagement auf vielen Ebenen – in Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft. Gleichzeitig kann auch jede einzelne Person einen Beitrag leisten: durch Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, hinzuhören und Unterstützung zu vermitteln.
Die DGS und ihre Positionen
Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention setzt sich für Aufklärung, Vernetzung und eine wirksame Suizidprävention ein. In diesem Bereich erfahren Sie mehr über unsere Arbeit sowie unsere Positionen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen.
Was ist die DGS und wofür setzt sie sich ein?
Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) ist seit ihrer Gründung im Jahre 1972 die bundesweite Dachgesellschaft für Suizidprävention in Deutschland. Sie vernetzt Menschen und Institutionen aus Forschung, Praxis und Gesellschaft, die sich mit Suizidalität und Suizidprävention beschäftigen.
- Die Mission und Vision der DGS
- Die DGS setzt sich dafür ein, Suizidzahlen zu senken und Menschen in Krisen frühzeitig zu unterstützen. Ihr Ziel ist eine Gesellschaft, in der Suizidalität offen angesprochen wird und alle Menschen Zugang zu bedarfsgerechter Hilfe erhalten.
- Die DGS als Dachgesellschaft für Suizidprävention in Deutschland
- Die Arbeit der DGS umfasst insbesondere:
- Aufklärung über und Entstigmatisierung von Suizidalität
- Vernetzung von Fachleuten, Initiativen und Betroffenen
- Förderung von Forschung und fachlichem Austausch
- Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte
- Engagement für bessere Hilfs- und Versorgungsstrukturen
- Mitwirkung an gesellschaftlichen und politischen Debatten
Ein zentrales Anliegen ist dabei der sogenannte trialogische Ansatz: Die DGS bringt Fachpersonen, Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene in den Austausch, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen.
- Die Arbeit der DGS umfasst insbesondere:
- Die Arbeit der DGS
- Die DGS ist ein gemeinnütziger Verein und arbeitet unabhängig. Sie betreibt keine eigenen Beratungsstellen, sondern versteht sich als Fachnetzwerk und Plattform für Wissen, Austausch und Weiterentwicklung der Suizidprävention in Deutschland.
- Mitmachen und unterstützen
- Suizidprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und jede Person kann folglich dazu beitragen. Sie können die Arbeit der DGS unterstützen, zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft, ehrenamtliches Engagement oder eine Spende. So helfen Sie mit, das Thema sichtbar zu machen und Menschen in Krisen zu stärken.
Wie ist Suizidassistenz in Deutschland geregelt und wie steht die DGS dazu?
- Rechtliche Situation – Entkriminalisierung der Suizidassistenz
- Unter Suizidassistenz, auch als assistierter Suizid oder Beihilfe zur Selbsttötung bezeichnet, versteht man die gezielte Unterstützung einer Person bei der Durchführung ihres Suizids, ohne dabei selbst aktiv die Tötungshandlung vorzunehmen. Meist bedeutet dies, dass eine Sterbebegleitung, häufig eine medizinische Fachkraft, das tödliche Mittel bereitstellt und über dessen Anwendung informiert.
- Der assistierte Suizid ist in Deutschland seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 26. Februar 2020 grundsätzlich erlaubt, sofern die betroffene Person freiverantwortlich handelt und eine Dauerhaftigkeit des Wunsches nach assistiertem Suizid besteht. Eine klare gesetzliche Regelung, wie dies konkret umgesetzt werden soll, fehlt bislang.
- Einordnung aus Sicht der DGS – Beziehung und Hilfe zentral
- Für die DGS steht die Unterstützung von Menschen in Krisen stets im Mittelpunkt. Ziel ist es, frühzeitig Hilfe anzubieten, Perspektiven zu eröffnen und Hilfsangebote zugänglich zu machen.
- Die DGS betont, dass suizidales Erleben und Verhalten oft in Situationen großer seelischer Not entstehen. Häufig ist suizidales Erleben ambivalent und kann sich verändern, insbesondere dann, wenn Betroffene Unterstützung und Verständnis erfahren. Auch Wünsche nach assistiertem Suizid sollten daher sorgfältig eingeordnet und als möglicher Ausdruck von Belastung und Hilfebedarf verstanden werden.
- Aus Sicht der Suizidprävention ist es entscheidend, suizidpräventive Aspekte konsequent einzubeziehen und Menschen in Krisen durch Beziehung, Beratung und geeignete Hilfsangebote zu unterstützen.
- Gleichzeitig weist die DGS darauf hin, dass derzeit wichtige Rahmenbedingungen fehlen, etwa klare gesetzliche Regelungen, verbindliche Standards und eine ausreichende Versorgung betroffener Menschen mit Unterstützungsangeboten.
- Suizidprävention vor Suizidassistenz
- Aus Sicht der DGS sollte der Ausbau der Suizidprävention, z.B. mittels eines Suizidpräventionsgesetzes, Vorrang haben. Die Hilfe zum Leben sollte der Hilfe zum Sterben vorrangig sein und politisch priorisiert werden. Ziel ist es, Menschen in belastenden Lebenssituationen frühzeitig zu erreichen, ihnen Unterstützung anzubieten und Perspektiven zu eröffnen.
Warum sprechen wir von Suizid oder Selbsttötung statt von Selbstmord oder Freitod?
- Die Haltung der DGS: Sprache kann schützen
- Die DGS setzt sich für einen sensiblen, respektvollen und nicht-stigmatisierenden Sprachgebrauch ein. Denn Worte prägen, wie wir Suizidalität und psychische Gesundheit verstehen, und können entscheidend dazu beitragen, ob sich Menschen in Krisen öffnen und Hilfe suchen.
- „Selbstmord“ als stigmatisierender Begriff
- Der Ausdruck „Selbstmord“ ist historisch belastet und mit moralischen Bewertungen verbunden. Das Wort „Mord“ bezeichnet eine vorsätzliche, strafbare Tötung eines anderen Menschen und überträgt diese Bewertung auf Menschen in seelischer Not. Aus Sicht der DGS ist dies unpassend und stigmatisierend, da Suizid keine Straftat ist, sondern meist Ausdruck einer schweren psychischen Krise.
- Wertende oder verurteilende Begriffe können Vorurteile verstärken und dazu beitragen, dass Betroffene aus Scham oder Angst vor Ablehnung seltener über ihre Gedanken sprechen oder Hilfe suchen.
- „Suizid“ und „Selbsttötung“ statt „Selbstmord“ oder „Freitod“
- Die DGS verwendet und empfiehlt bewusst die Begriffe „Suizid“ und „Selbsttötung“, da sie das Geschehen sachlich und ohne Schuldzuschreibung beschreiben. Diese Begriffe entsprechen dem fachlichen Sprachgebrauch in Medizin, Psychologie und Prävention und tragen zu einer respektvollen Kommunikation bei.
- Auch der Begriff „Freitod“ wird von der DGS vermieden, da er eine freie, selbstbestimmte Entscheidung suggeriert. Viele Menschen erleben suizidale Krisen jedoch als Zustand großer Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und innerer Enge, nicht als Ausdruck von Freiheit.
- Sprache ist ein zentraler Beitrag zur Suizidprävention
- Ein bewusster Sprachgebrauch ist ein wichtiger Bestandteil der Suizidprävention. Er kann helfen, Stigmatisierung abzubauen, Verständnis zu fördern und Betroffene zu ermutigen, über ihre Gedanken zu sprechen und Unterstützung anzunehmen.