Pressemitteilung zum Welttag der Suizidprävention 2026: Eine Krisenrufnummer allein verhindert noch keinen Suizid

Am Donnerstag, den 10. September 2026, findet der diesjährige Welttag der Suizidprävention statt. Zu diesem Anlass veröffentlicht die DGS die nachfolgende Pressemitteilung. Diese steht Ihnen zudem als PDF zum Download zur Verfügung.

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Pressemitteilung zum Welttag der Suizidprävention 2026: Eine Krisenrufnummer allein verhindert noch keinen Suizid

Entscheidend ist, was nach dem ersten Kontakt passiert. Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) schlägt drei einfache Prüffragen vor, an denen sich neue Strukturen der Suizidprävention messen lassen müssen.

Jena, den 07.09.2026

Eine bundesweit bekannte Rufnummer – wie im Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Suizidprävention angedacht – kann Orientierung schaffen. Sie hilft jedoch nur dann nachhaltig, wenn Menschen in einer akuten suizidalen Krise tatsächlich jemanden erreichen und von dort eine Begleitung in verlässliche Hilfen ermöglicht wird. Zum Welttag der Suizidprävention 2026 richtet die DGS deshalb den Blick auf die Umsetzung. Aus politischen Konzepten müssen verlässliche Hilfewege werden.

Der Welttag steht 2026 in Deutschland unter dem Leitgedanken „Gemeinsam handeln“. Für die DGS heißt das, Gesprächsbereitschaft und erreichbare Hilfen zusammenzudenken. Suizidale Gedanken müssen ansprechbar sein. Zugleich muss auf ein offenes Gespräch konkrete und bedarfsgerechte Unterstützung folgen können.

Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen starben im Jahr 2024 in Deutschland 10.372 Menschen
durch Suizid. In den Jahren 2022 bis 2024 war zudem eine leichte Zunahme der Suizidrate zu
beobachten. Suizidprävention bleibt damit eine zentrale gesellschaftliche und gesundheitspolitische Aufgabe.

Drei Fragen, an denen sich Suizidprävention messen lassen muss:

  • Weiß ein Mensch in akuter suizidaler Krise, wen er oder sie anrufen kann?
  • Ist dort tatsächlich und zeitnah jemand erreichbar?
  • Wird von dort eine Begleitung in verlässliche Hilfen ermöglicht?

Mit dem im Juni 2026 vorgelegten Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der nationalen Suizidprävention ist die seit Jahren geforderte gesetzliche Verankerung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Vorgesehen sind unter anderem eine Bundesfachstelle für Suizidprävention, die Weiterentwicklung regionaler Krisendienste, Maßnahmen zur Methodenrestriktion sowie Modellvorhaben zur besseren Vernetzung bestehender Versorgungsangebote. Auch die suizidpräventive Betreuung von Menschen nach einem Suizidversuch soll gestärkt werden.

Ob diese Maßnahmen ihre präventive Wirkung entfalten, wird wesentlich von ihrer konkreten Umsetzung abhängen. Der Referentenentwurf verweist selbst auf erhebliche regionale Unterschiede in der Verfügbarkeit und Ausgestaltung von Hilfen. Aus Sicht der DGS braucht es deshalb verbindliche und dauerhaft finanzierte Strukturen, damit aus Konzepten und Modellvorhaben flächendeckend erreichbare Suizidprävention wird. „Suizidprävention ist erst dann Infrastruktur, wenn Hilfe in der Krise tatsächlich erreichbar ist“, betont Ute Lewitzka, die Vorstandsvorsitzende der DGS.

Die Bedeutung realer und erreichbarer Alternativen zeigt sich auch in der gesellschaftlichen Debatte um Suizidassistenz. „Die DGS respektiert das Recht auf selbstbestimmtes Sterben und sieht zugleich die Verantwortung, vulnerable Menschen zu schützen. Todes- und Suizidwünsche können unterschiedliche Bedeutungen haben und sollten offen angesprochen und in ihrem individuellen Kontext verstanden werden. Eine selbstbestimmte Entscheidung setzt voraus, dass Menschen Zugang zu realen Möglichkeiten der Unterstützung, Behandlung und Entlastung haben“, erklärt Christian Petzold, Mitglied des Vorstandes der DGS.

„Gemeinsam handeln“ heißt für die DGS deshalb: Suizidalität ansprechbar machen und zugleich dafür sorgen, dass nach dem Gespräch konkrete Hilfe folgen kann. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für all jene, die Suizidprävention in Beratungsstellen, Krisendiensten, Versorgungseinrichtungen und im Ehrenamt täglich leisten.

Veranstaltungen zum Welttag der Suizidprävention 2026

  • Frankfurt am Main, 25. und 26. September – DGS-Herbsttagung
  • Frankfurt am Main, 10. September 2026 – FRANS-Infostand auf dem Kaisermarkt
  • München, 10. September 2026 – Gedenkveranstaltung des Netzwerks Suizidprävention München auf dem Marienplatz

Bereits seit dem 13. August läuft zudem bundesweit die crossmediale Kampagne „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“, initiiert von der Arbeitsgruppe regionale Netzwerke des Nationalen Suizidpräventionsprogramms.

Eine Übersicht weiterer Veranstaltungen und Aktionen: www.welttag-suizidpraevention.de