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Newsblog der DGS – Aktuelles aus der Welt der Suizidprävention

Die Suizidprävention ist ein vielseitiges und lebendiges Themenfeld, das sich kontinuierlich weiterentwickelt. Mit dem Newsblog stellt die DGS ein zentrales Sprachrohr für Aktuelles, Hintergründe und Impulse aus der Welt der Suizidprävention bereit – regelmäßig aktualisiert und klar strukturiert.

Hier finden Sie Veranstaltungshinweise sowie Beiträge der DGS und unserer Netzwerkpartner zu gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen oder kulturellen Themen – stets mit eindeutigem Bezug zur Suizidologie und Suizidprävention. Ziel ist es, Informationen sichtbar zu machen, Wissen zu teilen und so den fachlichen wie auch den gesellschaftlichen Austausch zu fördern.

Die integrierte Filterfunktion ermöglicht eine gezielte Suche. Über die Kategorienauswahl lassen sich unterschiedliche Interessensgebiete direkt ansteuern, während der Filter „Netzwerkakteure“ speziell Beiträge der DGS oder unserer Kooperationspartner anzeigt. So bleibt der Newsblog für Fachpublikum, Medienschaffende und interessierte Öffentlichkeit eine zentrale und verlässliche Informationsquelle.

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Pressemitteilung zu den aktuellen Suizidzahlen für das Jahr 2025

Jena, der 12.10.2026

Am 10. Oktober 2026 wurde bekannt, dass im Jahr 2025 in Deutschland 11.334 Menschen durch Suizid gestorben sind. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes entspricht dies einem Anstieg von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem höchsten Stand seit 1998.

Besonders besorgniserregend ist die geschlechtsspezifische Entwicklung: Während die Zahl der Suizide bei Männern seit 2024 um 5,8 Prozent gestiegen ist, beträgt der Anstieg bei Frauen 17,9 Prozent. Die Ursachen dieser Entwicklung müssen differenziert und wissenschaftlich fundiert untersucht werden.

Angesichts der steigenden Suizidzahlen sieht die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) dringenden politischen Handlungsbedarf. Sie fordert die rasche Verabschiedung eines wirksamen und ausreichend finanzierten Suizidpräventionsgesetzes.

„Die weiter steigenden Suizidzahlen sind ein deutliches Warnsignal. Wir wissen, dass Suizidprävention wirksam ist. Was wir jetzt brauchen, sind verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass Menschen in suizidalen Krisen überall in Deutschland rechtzeitig Hilfe erhalten. Ein Suizidpräventionsgesetz muss mehr leisten, als gute Absichten zu formulieren – es muss konkrete Verbesserungen ermöglichen und dauerhaft absichern“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Ute Lewitzka, Vorstandsvorsitzende der DGS.

Nach Auffassung der DGS darf Suizidprävention nicht länger von regional unterschiedlich ausgeprägten Angeboten, Einzelinitiativen oder befristeten Förderprogrammen abhängen. Erforderlich seien bundesweit verlässliche Strukturen, klare Zuständigkeiten sowie eine langfristig gesicherte Finanzierung.

„Darüber hinaus muss ein Suizidpräventionsgesetz die frühzeitige Erkennung suizidaler Krisen, den niedrigschwelligen Zugang zu qualifizierter Hilfe sowie die Vernetzung und Stärkung bestehender Versorgungsangebote gewährleisten“, betont Lewitzka.

Die DGS appelliert daher an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, den vorliegenden Referentenentwurf grundlegend nachzubessern und ein wirksames Suizidpräventionsgesetz zeitnah auf den Weg zu bringen.

Zahlen, Fakten, Hilfe – Suizidzahlen 2025: Wie viele Menschen starben 2025 durch Suizid?

Gestern veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Jahresergebnisse zur Todesursachenstatistik 2025.

2025 starben in Deutschland 11.334 Menschen durch Suizid.

Das sind 9,3 % mehr als im Vorjahr (10.372) und so viele wie seit 1998 nicht mehr. Der Anstieg ist insbesondere auf die deutliche Zunahme der Suizide bei Frauen (+17,9 %) zurückzuführen, während die Zahl bei Männern weniger stark stieg (+5,8 %).

„Die steigenden Suizidzahlen verdeutlichen die Dringlichkeit eines Suizidpräventionsgesetzes. Wir brauchen flächendeckende Hilfsangebote, klare Zuständigkeiten und eine langfristige Finanzierung. Suizidprävention muss fester Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung werden.“

Prof. Dr. Ute Lewitzka, Vorstandsvorsitzende der DGS

Eine ausführliche Stellungnahme folgt in den nächsten Tagen.

Wenn Sie Hilfe benötigen, wenden Sie sich an die

TelefonSeelsorge

Telefonische, Chat- und Mailberatung.
Infos unter: www.telefonseelsorge.de

Weitere Hilfsangebote finden Sie in unserem DGS-Hilfefinder.

Das Bild zeigt eine an Krebs erkrankte Person, die von einer anderen umarmt wird

Neues aus der Wissenschaft: Suizidalität in der Onkologie

Ein Forschungsprojekt der Evangelischen Hochschule Darmstadt & des Universitätsklinikums Würzburg

Warum das Thema?

Menschen mit einer Krebserkrankung haben ein fast doppelt so hohes Suizidrisiko wie die Allgemeinbevölkerung. In Studien berichten etwa 14-15 % der Krebspatient*innen von Suizidgedanken. Im Klinikalltag wird trotzdem selten nach Suizidgedanken gefragt oder diese systematisch erfasst.

Das Projekt

Ein Forschungsteam der EH Darmstadt und dem Universitätsklinikum Würzburg will verstehen, was die Ursachen von Suizidgedanken bei Krebs sind und was Betroffene brauchen. In einer ersten Pilotstudie wurden 10 belastete Patient*innen befragt und interviewt.

Was Betroffene erzählten

Die meisten Interviewten erlebten Lebensmüdigkeit oder Suizidgedanken seit ihrer Diagnose. Keine teilnehmende Person konnte sich klar daran erinnern, von Behandelnden danach gefragt worden zu sein.

Anmerkung: Es handelt sich um eine kleine, gezielt Stichprobe. Die Zahlen sagen nichts darüber, wie häufig das insgesamt vorkommt.

Unterschiedliche Gründe

Die Teilnehmenden nannten u.a.

  • Einsamkeit und Überforderung
  • belastende Therapien
  • körperliche Belastung
  • die Sorge, anderen zur Last zu fallen
  • die Angst vor Abhängigkeit von anderen
  • fehlende oder falsche Informationen über die Erkrankung und Behandlung

Wünsche von Betroffenen

Die Betroffenen wünschen sich von den Behandelnden:

  • ruhige, einfühlsame Gespräche
  • ehrliche, transparente Informationen über die Erkrankung
  • ein ganzheitlicher Blick auf Körper und Psyche
  • Bereitschaft, über psychische Gesundheit, Tod und Suizidgedanken zu sprechen
  • Informationen zu Unterstützungsangeboten

Über Suizidgedanken sprechen

„Ja, aber es ist auch eine Erleichterung, wenn man darüber [Suizidgedanken] spricht“
(weiblich, 35 Jahre)

Darüber sprechen kann entlasten. Nach Suizidgedanken zu fragen löst sie nicht aus.

Weitere Informationen und Hilfsangebote gibt es auf unserer Website.

Quellen

Pfannstiel, Laura et al. (2026). Suicide Ideation in Oncology: A Mixed-Methods Feasibility Study Exploring the Perspective of Affected Patients. European Journal of Cancer Care. https://doi.org/10.1155/ecc/6611192.

Senf, Biana et al. (2024). Suizidalität in der Onkologie. best practice onkologie. https://doi.org/10.1007/s11654-024-00574-4.

Pressemitteilung zum Welttag der Suizidprävention 2026: Eine Krisenrufnummer allein verhindert noch keinen Suizid

Am Donnerstag, den 10. September 2026, findet der diesjährige Welttag der Suizidprävention statt. Zu diesem Anlass veröffentlicht die DGS die nachfolgende Pressemitteilung. Diese steht Ihnen zudem als PDF zum Download zur Verfügung.

Banner zum Welttag der Suizidprävention 2026

Pressemitteilung zum Welttag der Suizidprävention 2026: Eine Krisenrufnummer allein verhindert noch keinen Suizid

Entscheidend ist, was nach dem ersten Kontakt passiert. Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) schlägt drei einfache Prüffragen vor, an denen sich neue Strukturen der Suizidprävention messen lassen müssen.


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Das Bild zeigt Unterstützung eines suizidgefährdeten Menschen durch einen Angehörigen.

Ein Verlust und viele offene Fragen – über Besonderheiten der Trauer nach einem Suizid

Am 10. September findet der Welttag der Suizidprävention statt. Aus diesem Anlass möchten wir uns heute näher mit den Besonderheiten der Trauer nach einem Suizid beschäftigen.

Grundsätzlich gilt: Trauer ist individuell.

Auch nach einem Suizid gibt es nicht “die eine” Form der Trauer. Menschen erleben einen Verlust unterschiedlich, und auch der Trauerprozess kann sehr verschieden verlaufen. Gleichzeitig können bei Suizidhinterbliebenen bestimmte Themen und Belastungen eine besondere Rolle spielen.


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Das Bild zeigt psychologische Fachkraft bei ihrer Arbeit.

Suizidversuche nach Geschlecht – Frauen: Risikofaktoren, Häufigkeiten, Irrtümer

Suizidversuche unterscheiden sich je nach Geschlecht in Häufigkeit, Ausprägung und zugrunde liegenden Risikofaktoren. Bei Frauen treten Suizidversuche häufiger auf als vollendete Suizide, wobei psychische Erkrankungen, soziale Belastungen und frühere Suizidversuche wichtige Einflussfaktoren darstellen. Ein genauer Blick auf Suizidraten, Häufigkeiten, Risikofaktoren und typische Fehlannahmen hilft, das Thema differenziert zu verstehen und Stigmatisierung abzubauen.

Zahlen

Weltweit lag die Suizidrate von Frauen bei 5,6 Toten durch Suizid je 100.000 Einwohnenden in 2021 (Deutschland: 7,6).


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Mythos vs. Fakt: Personen, die Suizidgedanken ansprechen, wollen nur Aufmerksamkeit?

„Sie will doch nur Aufmerksamkeit.” Dieser Satz fällt oft, wenn jemand offen über Suizidgedanken spricht, sich selbst verletzt oder wiederholt Warnsignale zeigt.

Die Ankündigung eines Suizids wird damit als “Attention-Seeking” abgetan. Die Annahme dahinter: Wer wirklich sterben will, kündigt das nicht an und wer darüber redet, tut es angeblich nur, um Mitleid zu erregen, andere zu manipulieren oder sich wichtig zu machen.

Die Konsequenz kann sein, dass Betroffene nicht ernst genommen, belächelt und ihre Aussagen ignoriert werden.

Um den Annahmen rund um Suizidalität in Zusammenhang mit Aufmerksamkeit entgegenzuwirken, ist also eine differenzierte Betrachtung notwendig.


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Das Bild zeigt 3 Frauen, wovon sich zwei, abgewandt, miteinander unterhalten. Die Frau im Vordergrund schaut nachdenklich.

Ambivalenzmodell der Suizidalität – nach Teismann & Forkmann, 2024

Viele Menschen erleben Suizidgedanken, was jedoch nicht automatisch heißt, dass sie sterben möchten. Meist steht dahinter der Wunsch, dass ein unerträglicher Zustand aufhört. Betroffene schwanken oft zwischen dem Wunsch zu sterben und dem Wunsch zu leben. Genau diese Ambivalenz steht im Zentrum des Ambivalenzmodells der Suizidalität von Tobias Teismann und Thomas Forkmann (2024).


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Pressemitteilung: DGS begrüßt Referentenentwurf für ein Suizidpräventionsgesetz, sieht jedoch Nachbesserungsbedarf

Jena, 29. Juli 2026 – Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention e. V. (DGS) begrüßt den Referentenentwurf eines Gesetzes zur Stärkung der nationalen Suizidprävention ausdrücklich. Mit dem Entwurf soll die Suizidprävention erstmals auf eine eigenständige bundesgesetzliche Grundlage gestellt werden. Dies ist ein bedeutsames gesellschaftspolitisches Signal und ein langjähriges Anliegen der DGS.

Es werden verbindliche und dauerhaft finanzierte Strukturen benötigt.

Mit der vorgesehenen Bundesfachstelle für Suizidprävention, der Stärkung von Forschung, Vernetzung und Qualitätssicherung sowie der geplanten Krisen- und Vermittlungsrufnummer greift der Entwurf zentrale Handlungsfelder der Suizidprävention auf. Aus Sicht der DGS bleibt er jedoch an entscheidenden Stellen hinter seinem eigenen Anspruch zurück. Viele Regelungen beschränken sich auf Konzepte und Koordinierungsaufträge, ohne eine verlässliche und dauerhaft finanzierte Versorgungsstruktur sicherzustellen. Dadurch bleibt ein erhebliches Spannungsverhältnis zwischen dem formulierten Anspruch und der rechtlichen Verbindlichkeit der vorgesehenen Maßnahmen bestehen.


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Das Bild zeigt zwei Personen in einem Beratungsgespräch.

Anti-Suizid-Verträge: Sind sie noch zeitgemäß?

Suizidalität ist ein sensibles und gesellschaftlich bedeutsames Thema, das auch Fachkräfte vor große Herausforderungen stellt. Eine mögliche Interventionsmethode sind sogenannte Anti-Suizid-Verträge, die von unserem Kollegen Max Hessel kritisch betrachtet werden.

Diese Facharbeit beschäftigt sich mit dem historischen Hintergrund, den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Kontroversen sowie den therapeutischen Implikationen und der aktuellen Versorgungspraxis. Sie bewertet auch die Bedeutung für den professionellen Umgang mit suizidgefährdeten Menschen.

Was genau sind Anti-Suizid-Verträge (Non-Suicide Contracts)?

Anti-Suizid-Verträge wurden in den 1970er Jahren eingeführt. Sie sollten die therapeutische Beziehung stärken, Gespräche über Suizidalität erleichtern und Sicherheit vermitteln.

Ihre Anwendung beruhte jedoch vor allem auf klinischer Erfahrung, nicht auf wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweisen.

Bis heute gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Anti-Suizid-Verträge Suizide wirklich verhindern: sie können sogar trügerische Sicherheit vermitteln. Suizidalität ist dynamisch. Deshalb sind eine kontinuierliche Risikoeinschätzung und eine tragfähige Beziehung unverzichtbar.

Heute weiß man:

Eine vertrauensvolle und professionelle Beziehung ist der wichtigste Schutzfaktor.

Diese schafft Sicherheit, nicht ein Vertrag. Zusammen mit offenen Gesprächen und gemeinsamer Krisenplanung bilden sie den Kern moderner Suizidprävention.

Weitere Informationen zum Thema und Hilfsangebote für Betroffene, Angehörige und Hinterbliebene gibt es hier auf unserer Website.

Die komplette Facharbeit von Max Hessel steht für Sie zum Download zur Verfügung.

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